Der Lügenbot kommt auf die Welt

Verfasst von ictk am 07.09.2016 - 14:22

An der Hochschule für Wirtschaft FHNW in der Schweiz wurde von März bis August 2016 der Lügenbot entwickelt, ein Chatbot, der so sehr lügt, dass sich die Balken biegen. Die Idee dazu formulierte Oliver Bendel bereits 2013 in seinem Artikel "Der Lügenbot und andere Münchhausen- Maschinen". Nun konnte die Idee in die Tat umgesetzt werden.

Der studierte Philosoph und promovierte Wirtschaftsinformatiker forscht in der jungen Disziplin der Maschinenethik. Diese bringt normalerweise in Zusammenarbeit mit Robotik und Künstlicher Intelligenz (KI) moralische Maschinen hervor. Aber auch unmoralische sind möglich.

Kevin Schwegler programmierte den Chatbot in Java, einer objektorientierten Sprache. Er implementierte spezielle maschinelle Strategien des Lügens. So benutzt der Lügenbot (auch Liebot genannt) etwa eine Ontologie, eine formale Darstellung von Begrifflichkeiten, und wandert in ihr nach oben und wieder nach unten. Aus "Der Hase hat lange Ohren" wird "Der Igel hat lange Ohren" – eine glatte Lüge. Auch Suchmaschinen und ihre Dienste werden angezapft. In einem Test hat der Liebot auf die Frage, wer der Präsident der USA sei, mit "Donald Trump" geantwortet. Im Moment ist das zum Glück nicht richtig. Im Hintergrund lief ein mehrstufiges Pingpong-Spiel zwischen dem Chatbot und Yahoo.

Oliver Bendel, der in Deutschland geboren wurde und in der Schweiz lebt, will mit seiner Arbeit dazu beitragen, dass Münchhausen-Maschinen, also Maschinen, die lügen können, verstanden, erkannt und vermieden werden. Wetterberichte, Newsportale, Flirtlines, Social Bots – an vielen Stellen im Internet können zwielichtige Personen und Organisationen an einer automatisierten Verzerrung und Verdrehung der Wahrheit interessiert sein. Es ist wichtig, dass Chatbots auf Websites und virtuelle Assistenten wie Siri und Cortana auf Smartphones verlässlich und vertrauenswürdig sind. Weitere Informationen gibt es über luegenbot.ch bzw. liebot.org.

Zur Person:
Oliver Bendel lehrt und forscht als Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, mit den Schwerpunkten Wissensmanagement, Wirtschaftsethik, Informationsethik und Maschinenethik. 2016 sind seine Bücher "Die Moral in der Maschine" (Heise Medien) und "300 Keywords Informationsethik" (Springer) erschienen. Weitere Infos: www.oliverbendel.net, www.informationsethik.net und www.maschinenethik.net.