Cloud Foundry: Open Source und mehr für die Applikations-Entwicklung

Verfasst von Hartmut Wiehr am 27.07.2017 - 14:12

Open Source ist in. Zumindest bei einem Teil der Unternehmen, die begriffen haben, dass die etwas chaotischen Zeiten von freier Software inclusive freier Selbstverwirklichung der Vergangenheit angehören. Heutzutage gibt es geradezu eine Welle an Institutionen, Erfindungen und Events, bei denen die IT-Industrie und professionelle Anwender kooperieren, um neue Formen von Infrastruktur- oder Software-Plattformen zu entwickeln und allgemein zur Verfügung zu stellen.

Zu nennen sind hier in erster Linie die Aktivitäten der Linux Foundation, die längst über das Betriebssystem Linux hinausgewachsen ist, der Openstack Foundation für den Bereich Infrastruktur und der Cloud Foundry Foundation für Applikationen.

Cloud Foundry gibt es in verschiedenen unterstützten Distributionen: Pivotal Cloud Foundry von der Dell-EMC-Tochter Pivotal, und daneben gibt es Atos Cloud Foundry, Huawei Fusionstage, IBM Bluemix Cloud Foundry, SAP Cloud Platform und Swisscom Application Cloud.

Pivotal entwickelte ursprünglich allein Cloud Foundry als Platform as a Service (PaaS). EMC, damals noch unter dem CEO Joe Tucci, beschloss Ende 2014, die Plattform einer Open-Source-Community zur Verfügung zu stellen. Dafür wurde die Cloud Foundry Foundation gegründet, die dann zu einer Tochter der Linux Foundation wurde und seit mehreren Jahren von der ehemaligen Pivotal-Angestellten Abby Kearns geleitet wird.

Die offensichtliche Intention hinter dem Beschluss von Tucci bestand in der Enttäuschung, dass sich Pivotal nicht zu einer "zweiten gewinnträchtigen Tochter wie VMware“ entwickelt hatte. Mehrfach hatte Tucci in seinen jährlichen Keynotes auf der EMC World in Las Vegas dieses Ziel hervorgehoben. Daraus war offensichtlich nichts geworden, und die Schaffung der Foundation kann als zweiter Anlauf gewertet werden – nach den Vorbildern so erfolgreicher Foundations wie der von Linux oder der von Openstack.

Auf einem Event der Cloud Foundry Foundation, der vor kurzem in Santa Clara im Silicon Valley stattfand, konnten wir beobachten, dass die Community aus Entwicklern und Delegierten von den 65 Mitgliedsunternehmen der Foundation funktioniert. Die Arbeitskonferenz tagte auf vielen Ebenen, von Keynote-Veranstaltungen bis zu diversen thematischen Sessions. Laut der Foundation verzeichnet der weltweite Cloud-Foundry-Markt "ein explosives Wachstum“: "Mit 2.400 Beitragsleistenden, 51.000 Commits, 70.000 Spezialisten und 65 Mitgliedern ist Cloud Foundry Marktführer im wachsenden PaaS-Markt. Cloud Foundry liegt mit 35 Prozent des Gesamtmarktes für Cloud-Umgebungen bereitstellungsübergreifend vor Azure (32 Prozent), Oracle (28 Prozent) und AWS (25 Prozent).“ Wie Gartner ermittelt hat, soll sich der Gesamtmarkt für Cloud Foundry auf ungefähr 2,8 Milliarden Dollar belaufen. In den kommenden Jahren soll er sogar auf 5,25 Milliarden Dollar ansteigen.

In einer der Sessions wurde der Ansatz von Cloud Foundry kurz und bündig so erklärt: "Es ist eine Plattform, die Ihren Code nimmt und daraus eine funktionierende Applikation macht.“ (Developing with Cloud Foundry 101, Maria Ntalla & Jatin Naik von Pivotal, Video 30 Minuten auf Youtube) VMware hatte ursprünglich diese Plattform für die Entwicklung von Applikationen herausgebracht, die dann in Pivotal integriert wurde. Cloud Foundry ist unter Apache 2.0 lizensiert und unterstützt verschiedene Programmiersprchen, darunter Java, Node.js, Go, PHP, Python, Ruby, .NET Core und Staticfile. Die Entwickler können zwischen verschiedenen Sprachen wählen und so einen Vendor-Lock-in vermeiden – ein verbreitetes Problem im Zusammenhang mit PaaS.

Laut Pivotal nützen 98 Prozent der Anwender dieser Plattform die Variante von Pivotal Cloud Foundry und nicht die offene Version der Foundation oder der anderen Distributionen. Pivotal wird als ein Tool zur schnelleren Software-Entwicklung gesehen, wobei der Hersteller eigene Trainingskurse anbietet (siehe hierzu https://www.cloudfoundry.org/training/).

Die jüngste Version von Pivotal Cloud Foundry enthält eine Funktion, wie man sich gegen Hacker-Angriffe wehren kann: Mit Pivotal Credhub gibt es die Möglichkeit, rotierende Anmeldeinformationen während des laufenden Betriebs einer Anwendung einzurichten. Der Prozess läuft laut Hersteller automatisch ab, so dass sich weder Entwickler noch Administratoren darum kümmern müssen.

Ähnliche Plattformen und direkte Konkurrenten finden sich bei Openshift, Google App Engine und Heroku.

Der nächste europäische Cloud Foundry Summit findet am 11. und 12. Oktober 2017 in Basel statt. Nähere Informationen hier.