Amazon schnappt sich für 13,7 Millarden Dollar Biosupermarktkette

Verfasst von ictk am 17.06.2017 - 07:04

Der Online-Versandhandelsriese Amazon aus Seattle im US-Bundesstaat Washington steigt gross in den stationären Handel mit frischen Lebensmitteln ein. Mit Whole Foods Market übernimmt Amazon eine 1978 gegründete US-Biokette, die auf hochwertige und entsprechend teure Lebensmittel spezialisiert ist und legt dafür 13,7 Milliarden Dollar (13,35 Mrd. Schweizer Franken) auf den Tisch.

Für den Konzern aus Seattle ist es die mit Abstand grösste Akquisition seiner Geschichte und eine Kampfansage an Rivalen wie Wal-Mart.

Whole Foots Market erwirtschaftete gemäss eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 15,7 Milliarden Dollar (14 Mrd. Euro). Die Kette betreibt laut jüngsten Zahlen aus dem Frühjahr 461 Lebensmittelsupermärkte. Davon entfiel ein Grossteil mit 440 Geschäften auf die USA, weitere zwölf befinden sich in Kanada und neun in Grossbritannien. In dem Kaufpreis sind auch die Schulden des Lebensmittelhändlers enthalten, liess Amazon wissen. Die Firma hatte sie zuletzt mit rund 3,1 Milliarden Dollar (2,8 Mrd. Euro) beziffert. Die 42 Dollar (37,6 Euro) pro Aktie in Bar sind ein kräftiger Aufschlag auf den Schlusskurs von gut 33 Dollar (29,5 Euro) am Donnerstag.

Der Finanzinvestor Jana Partners war zuletzt unzufrieden mit der Geschäftsentwicklung bei Whole Foods Market und hatte die Firma zu einem Verkauf gedrängt. Whole Foods Market hatte im vergangenen Quartal den Umsatz lediglich um ein Prozent auf knapp 3,74 Milliarden Dollar (3,34 Mrd. Euro) gesteigert, der Gewinn sank im Jahresvergleich von 142 Millionen Dollar (127 Mio. Euro) auf 99 Millionen Dollar (88,5 Mio. Euro). In den USA werden gut 97 Prozent der Erlöse erwirtschaftet. Der prägende Mitgründer und Chef John Mackey solle unter dem Dach von Amazon weiter an der Spitze der Kette bleiben, teilte Amazon mit.

Amazon bekommt mit dem Kauf von Whole Foods Market stationäre Geschäftslokale in guter Lage in 42 US-Bundesstaaten und könnte damit unter anderem Warenlieferungen beschleunigen und die Kundenbindung verbessern. Mit Amazon verschärft sich der Wettbewerb nicht nur im US-Lebensmittelhandel. Nach den USA und Grossbritannien bietet Amazon seit Kurzem in einem Modellversuch frische Lebensmittel per Versand auch in Deutschland an. Amazon-Prime-Kunden in Berlin und Potsdam können ihre Einkäufe über den Onlinehändler erledigen. Rund 85.000 Produkte von der frischen Hühnerbrust über Erdbeeren bis zur Tiefkühlpizza bietet der Lieferdienst an. Das Angebot ist damit fast zehnmal so gross wie in einem normalen Supermarkt.

In einer Gegenbewegung baute der amerikanische Supermarktriese Wal-Mart immer stärker sein Onlinegeschäft aus - und kaufte just am Freitag den Modehändler Bonobos für 310 Millionen Dollar (277 Mio. Euro). Mit den beiden Zukäufen heben die zwei Schwergewichte ihre Rivalität auf eine neue Ebene.