An alle CFOs: Es kann sich lohnen, eine Zahnbürste zu vernetzen

Verfasst von Tony Kontzer am 09.02.2018 - 14:10

Bis vor kurzem haben sich Technologieanbieter und die Unternehmen, die ihre Produkte kaufen, vor allem darauf konzentriert, was die Technologie macht – welche Funktionen sie hat, welche Leistungsmerkmale sie bietet. Aber heute geht es nicht mehr darum, was Technologie machen kann, es geht darum, was sie ermöglichen kann. Wenn ein Hersteller mit einer Zahnbürste kommunizieren kann, ist das vielleicht erst einmal eine technische Spielerei. Aber das Wissen, das man diesem Datenstrom entnehmen kann, zum Beispiel wie oft der Kunde sich mit einer einzelnen Zahnbürste die Zähne putzen kann, liefert unter Umständen einen echten Mehrwert.

Gastbeitrag von Tony Kontzer, Wirtschafts- und Technologie-Autor

Durch die Brille der digitalen Transformation schauen

Zu oft wurden Technologiekäufer mit technischem Schnickschnack beeindruckt, obwohl es doch in Wahrheit auf handfeste Ergebnisse ankommt. Die digitale Transformation stellt das jetzt in einen ganz neuen Zusammenhang. Denn wir befassen uns nicht mit der digitalen Transformation, damit wir immer mehr technologische Fähigkeiten hinzufügen und unsere IT immer eindrucksvoller gestalten können. Wir wollen uns vielmehr verändern, um agiler und effizienter zu werden, bessere Kundenerfahrungen zu schaffen, unsere Rentabilität zu erhöhen und unser Unternehmen insgesamt stärker zu machen. Alle Technologieinvestitionen sollten heute durch diese Brille betrachtet werden.

Anbieter von Enterprise-Technologien sehen ihre Aufgabe oft vor allem darin, grossartige Technologien zu entwickeln. Sie sollten aber vor allem ihren Kunden dabei helfen, die neuesten Technologien so zu nutzen, dass das ihr Geschäft einen grossen Schritt voranbringt. Anbieter müssen verstehen, dass ihre Produkte und Lösungen noch so cool sein können, wenn sie keinen wirtschaftlichen Beitrag leisten, der einer Organisation hilft, ihre Vision zu erreichen oder ihre Mission zu erfüllen, dann könnte der Kunde genauso gut auch weiterhin sein Katzenfutter so produzieren, wie er das schon immer gemacht hat.

Digitale Transformation: CFOs spielen entscheidende Rolle

Die auf Kommunikationstechnologie fokussierte ALE zum Beispiel will genau aus diesem Grund ihre Bemühungen intensivieren, mit den CFOs (Chief Financial Officer) ins Gespräch zu kommen. Denn diese haben die Aufgabe, die IT-Organisation zu beaufsichtigen, um sicherzustellen, dass Technologieinvestitionen einen echten Mehrwert bieten, und deshalb beeindruckt der reine Coolness-Faktor sie nicht. CFOs sind von Hause aus Skeptiker, die hinter den Hype schauen – direkt auf den Nutzen einer Technologie. Kein Nutzen, keine Investition. Aus diesem Grund sind die CFOs ein integraler Bestandteil der digitalen Transformationsprozesse.

Ein Unternehmen, das seinen operativen Betrieb um digitale Fähigkeiten erweitern möchte, kann dabei natürlich einfach nur auf diese Funktionen schauen. Hier, schau mal, wir können unsere Infrastrukturen in die Cloud verlagern und damit unsere Capex-Kosten senken! Wir können unsere Kundenprozesse auf mobile Plattformen ausdehnen! Wir können in unseren Lagern IoT-Sensoren einbauen, um unsere Produkte besser im Auge zu behalten!

Obwohl alle diese Schritte durchaus wirtschaftlich sinnvoll sind, lassen sich Unternehmen häufig darauf ein, bevor sie richtig analysiert haben, welche Effekte sie damit erzielen können. So können sie dann auch nicht feststellen, ob eine bestimmte Technologie, wie beeindruckend sie auch sein mag, einen Beitrag zu ihrer digitalen Transformation leisten kann.

Wenn Kunden schlecht beraten werden, deshalb in die angebotenen Technologien investieren und zu spät entdecken, dass sie daraus gar keinen Nutzen ziehen, verlieren alle Beteiligte. Der Kunde gibt unnötig Geld aus und bleibt mit einem schlechten Gefühl zurück. Und die Anbieter haben dem kurzfristigen Umsatz eine langfristige Kundenbeziehung geopfert. Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Investitionen in hochmoderne Netzwerklösungen – von Unified Communications über Smart Analytics bis hin zu Infrastruktur-Sicherheitsdiensten – ihre Unternehmen wirklich stärker machen werden. Deshalb werden CFOs und andere hochrangige Entscheidungsträger am besten frühzeitig in den Prozess eingebunden.

Nicht alle Wege führen nach Rom

Will man im Unternehmen die digitale Transformation in Angriff nehmen, will damit damit das Geschäft verbessern und nicht nur die IT weiter ausbauen. Beides muss aufeinander abgestimmt sein, damit die Investitionen in die digitale Transformation genau das sind – eben Investitionen, und nicht nur Ausgaben.