«Ich war zu bequem, um immer im Fahrplan nachzuschauen»

Verfasst von Andreas Heer am 04.07.2009 - 13:53

Der Schweizer Informatiker Marc Ammann hat mit der iPhone-Anwendung «Gottago» nicht nur ÖV-Benutzer begeistert, sondern auch die Jury von «Best of Swiss Web». Im Interview spricht er über seine Motivation und über Open Source Software auf dem iPhone.

Was hast Du empfunden, als Du den «Master of Swiss Web» erhieltest?

Eine riesige Freude und Erleichterung natürlich. Mir persönlich war der Titel in der Kategorie «Techology Innovation» wichtiger als der Master. Dieser war für mich ein Preis für das ganze Liip-Team. Es hat mich unendlich gefreut, dass ich mit der Gottago-Idee den Titel zu uns bringen konnte.

Was hat Dich motiviert, Gottago zu schreiben?

Erstens hat es mich lange sehr genervt, dass der SBB-Fahrplan nicht auf dem iPhone verfügbar war und dass dieser Fahrplan überhaupt nicht der Logik eines Menschen entspricht – was für mich mitunter ein Hindernis darstellt, ÖV zu benutzen. Und mein Ziel ist eigentlich, dass die Leute endlich ÖV benutzen und keine Ausrede mehr haben, das Auto für eine Strecke zu benutzen, auf der jede halbe Stunde ein Zug fährt. Das braucht natürlich Zeit und nicht nur eine iPhone-Applikation. Zudem: ich war immer zu bequem dazu, zuerst im Fahrplan nach zuschlagen, bevor ich aus dem Haus gehe – was mir vor allem dann im Weg stand, wenn ich schnellstmöglich zur Freundin wollte. Ironischerweise kam ich während der Entwicklungszeit immer zu spät auf den Bahnhof, weil ich immer bis zum letzten Moment an Gottago sass.

Zweitens Hannes (Hannes Gassert, Partner von Liip, die Red.). Ich wollte zuerst eine interne Applikation für Liip schreiben. Hannes hat mich dann gefragt, wann ich vorhabe, etwas Sinnvolles und Öffentliches fürs iPhone zu entwickeln – das hat mich dann sehr angestachelt.

Drittens entwickle ich sehr gerne Produkte auch ohne Kundenauftrag – und das war genau so ein Projekt, bei dem ich meine eigenen Ideen umsetzen konnte.

Gottago ist ja Open Source. Geht das überhaupt bei iPhone-Anwendungen?

Das ist ein umfassendes Thema. Kurz gesagt: Ja, es geht. Es ist allerdings äusserst mühsam. Ich hab vor kurzem einen Vortrag an der Open Expo dazu gehalten (Video, Präsentation als PDF). Beim iPhone ist es kein «ich mach einfach Open Source», sondern es ist ein Entscheid aus Überzeugung, der erst noch in Mehrarbeit ausartet.

Gibt es Pläne zur Weiterentwicklung?

Ja, aber die sind im Detail noch geheim. Es wird auf jeden Fall noch einige Neuerungen geben. Jedes Update wird aber auf blog.liip.ch oder codesofa.com angekündigt und veröffentlicht.

Marc Ammann studiert Informatik an der ETH und arbeitet als Software-Entwickler beim Schweizer Web-Entwicklungsunternehmen Liip.